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11.01.2019

Eine Stiftung und ihr Erbe

Gegründet von den Hanse- und UNESCO-Welterbestädten Wismar und Stralsund, unterstützt die Deutsche Stiftung Welterbe unter anderem gefährdete Welterbestätten

Die UNESCO als Organisation der UNO für Bildung, Wissenschaft und Kultur setzt sich weltweit für die Erhaltung des kulturellen Erbes und die Förderung der kulturellen Vielfalt ein. Mit der UNESCO-Welterbekonvention vom 16. November 1972 haben sich mit Stand von 2018 insgesamt 195 Staaten dafür entschieden, die Weltgemeinschaft über kulturelle, wirtschaftliche und politische Grenzen hinweg für den Erhalt sowie die Entwicklung des Welterbes miteinander zu verbinden. Um diese Idee umzusetzen, wurde eine Liste der Welterbestätten aufgestellt. Ein dafür von der UNESCO berufenes zwischenstaatliches Welterbekomitee prüft jährlich, welche Stätten neu in die Liste aufgenommen oder auch wieder aus dieser gestrichen werden.

Die ersten zwölf Kultur- und Naturerbestätten von außergewöhnlichem universellen Wert wurden 1978 in die Welterbeliste aufgenommen, darunter befand sich auch der Aachener Dom. Obwohl die UNESCO die Kulturen der Welt als gleichrangig ansieht, spiegelt die Welterbeliste nicht ausgewogen die Vielfalt des kulturellen Erbes sowie des Naturerbes auf den Kontinenten wider.

Geringeres Fachwissen, fehlende finanzielle Möglichkeiten und Unterrepräsentation in den Entscheidungsgremien führten zu Ungleichgewichten, wie in einer Studie der UNESCO von 1987 bis 1993 festgestellt wurde. Diese Ungleichgewichte konnten bis heute nicht wesentlich beseitigt werden.
Dazu zählen die Überrepräsentanz bestimmter Arten von Kulturerbestätten, ein Übergewicht der Kultur- gegenüber den Naturerbestätten (rund 75 Prozent gegenüber 25 Prozent) sowie die kontinentale Unausgewogenheit - Europa und Nordamerika haben fast die Hälfte aller Welterbestätten. Folgerichtig wurden Grundsätze einer neuen globalen Strategie formuliert, die seit Jahren stetig weiterentwickelt werden:

  • weitere Länder zu ermutigen, der Welterbekonvention beizutreten,
  • die bestehenden Lücken in der Welterbeliste zu erfassen und auszufüllen,
  • ein angemessenes Gleichgewicht zwischen dem Kultur- und dem Naturerbe auf der Welterbeliste zu erreichen,
  • Länder bei der Vorbereitung ihrer Nominierungen und Vorschlagslisten zu unterstützen.

Die Bundesrepublik Deutschland als Vertragsstaat hat zu diesem Themenkreis eine Handreichung der Kultusministerkonferenz der Länder zum UNESCO-Welterbe erarbeitet, die im Jahr 2017 veröffentlicht wurde. Ein wichtiger Beitrag der deutschen Welterbestätten zur Ausgewogenheit und Glaubwürdigkeit der Welterbeliste ist die von den Hansestädten Stralsund und Wismar im Jahr 2001 gegründete Deutsche Stiftung Welterbe.

Die Stiftung fördert entsprechend ihrem Satzungszweck in Entwicklungsländern Welterbestätten in Gefahr sowie potentielle Welterbestätten, die nicht über ausreichend finanzielle Mittel und/oder das Know-how zur Antragsstellung verfügen. Somit unterstützt die Stiftung vor allem Nominierungen aus bisher auf der Liste unterrepräsentierten Weltregionen sowie bereits eingeschriebene Welterbestätten mit geringen Mitteln.

Beispiel Namibia
Im Jahr 2009 hatte die Deutsche UNESCO-Kommission Fachleute nach Namibia entsandt, um zusammen mit den namibischen Kollegen potentielle Naturerbestätten in Augenschein zu nehmen und die Vorschlagsliste Namibias zu überarbeiten. Für die Ausarbeitung des umfangreichen Nominierungsdossiers zur favorisierten Namib-Wüste wurde ein Förderantrag bei der Deutschen Stiftung Welterbe gestellt. Das Land Namibia, welches bislang nur mit einer Stätte auf der Welterbeliste vertreten war, konnte aufgrund der Vermittlung über die Deutsche UNESCO-Kommission mit 20.000 Euro zur Erarbeitung des Welterbeantrages durch die Deutsche Stiftung Welterbe im Jahr 2011 unterstützt werden. Zur großen Freude der Welterbe-Akteure in Namibia und in Deutschland hat das internationale UNESCO-Welterbekomitee auf seiner Tagung 2013 in Phnom Penh die Namib-Wüste als älteste Wüste der Welt als 193. Naturerbestätte auf die UNESCO-Welterbeliste gesetzt. Dieser Nominierungsvorgang zeigt beispielhaft die Umsetzung der globalen Strategie der UNESCO in Bezug auf die Ausgewogenheit der Welterbeliste.

Beispiel Gjirokastra, Albanien
Die Stadt mit rund 35.000 Einwohnern ist geprägt durch eine gewaltige Festungsanlage (400m x 100 m), ein historisches Basarviertel und zehn große Wohnquartiere mit etwa 600 festungsartigen Sippenhäusern.
Es bestand allerdings eine verbreitete Unkenntnis über die Verantwortlichkeiten zum Schutz des Welterbes. Kultur und Denkmalpflege befassten sich mit der Sanierung einzelner Gebäude, aber nicht mit Schutz des Ensembles und dem des öffentlichen Raums. Ausgewanderte Hausbesitzer konnten aus Tradition ihre Gebäude nicht verkaufen, so dass nur etwa ein Viertel der Sippenhäuser auch bewohnt und teilweise dem Verfall preisgegeben waren.

Modernisierungen in den genutzten Gebäuden erfolgten ohne gestalterische Standards – Mauerwerk wurde durch Beton, Holzportale wurden durch Metalltüren und die charakteristischen Steinplattendächer durch Ziegel ersetzt. Neonreklame, Schilder, Wassertanks und Satellitenschüsseln taten ihr Übriges.
Über eine Nichtregierungsorganisation (ChwB) wurde ein Antrag zur Erarbeitung einer Gestaltungssatzung für das historische Zentrum von Gjirokastra an die Deutsche Stiftung Welterbe gestellt. Diese befürwortete die beantragte Summe von knapp 4.500 Euro, und damit konnte in den Jahren 2014 und 2015 die Gestaltungssatzung erstellt werden. Neben den nationalen Gesetzen zur Museumsstadt (1961, 2007) und zum Kulturerbe (2003) sowie der Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes (2005) sorgt nunmehr die Gestaltungssatzung als lokales Schutzinstrument für den Erhalt und die Entwicklung des Welterbes "Altstadt Gjirokastra". Dies demonstriert vorbildlich das zweite Ziel der Deutschen Stiftung Welterbe, nämlich die Unterstützung zum Erhalt einer gefährdeten Welterbestätte.

Beispiel Kuba
Die nahezu komplett erhaltene, aber seit Jahrzehnten unspielbare Orgel in der Iglesia de Caridad in Havanna wurde um 1860 von den deutschen Orgelbaumeistern Joseph Merklin und Friedrich Schütze erbaut. Die Kirche befindet sich im UNESCO-Welterbe "Altstadt von Havanna", und das Instrument selbst gehört zu den handwerklich schönsten Orgeln im Land und zu den ältesten erhaltenen Orgelwerken in der Karibik.
Mit Hilfe eines Stipendiums des Erzbistums Havanna konnte ein Orgelstudium in Regensburg organisiert und eine Orgelklasse in Havanna aufgebaut werden. Allerdings gibt es gegenwärtig nur eine einzige kleine Orgel in ganz Havanna. Die Restaurierung der Merklin-Schütze-Orgel in der akustisch ausgezeichneten Iglesia de Caridad in Havanna ermöglichte nicht nur liturgische Kirchenmusik und Orgelkonzerte, sondern auch die Nutzung für Studierende.
Das Baltische Orgelcentrum e.V. in der Orgelstadt Stralsund stellte deshalb in Zusammenarbeit mit dem Erzbistum Havanna einen Antrag auf Förderung der Orgelrestaurierung. Die Deutsche Stiftung Welterbe bewilligte 2017 die Summe von 7.000 Euro. Begleitet wird das Projekt durch die Deutsche Botschaft in Havanna und das Kulturerhaltungsprogramm des Auswärtigen Amtes der Deutschen Bundesregierung.

Autor/in: Norbert Huschner
Quelle: Amt für Welterbe, Tourismus und Kultur