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07.11.2017

"53° 53' 27'' N - 11° 27' 38'' O«

Ausstellung von Ursula Neugebauer – Timm Ulrichs im KUNSTRAUM St. Georgen

Unter dem gemeinsamen Titel „53° 53' 27'' N – 11° 27' 38'' O“ - der exakten geografischen Lage der St.-Georgen-Kirche in Wismar - zeigen Ursula Neugebauer und Timm Ulrichs im „KUNSTRAUM St. Georgen“ vom 18. November bis zum 10. Dezember 2017 künstlerische Installationen, die den Genius loci, den Geist des Ortes in Szene zu setzen beabsichtigen.
Eröffnet wird die Ausstellung am Sonnabend, dem 18. November 2017 um 11:30 Uhr.

Ursula Neugebauers großes Werk, „Requiem“ benannt, breitet eine riesige Menge gebrauchter Fischernetze aus, die das Bild vom Kirchen-Schiff, der Kirche als Schiff, eindrücklich bekräftigen, zu dem türmt die Künstlerin eine Vielzahl portugiesischer Fischreusen zu einem Monument; zu einer Art Denkmal auf, das dem eher „informellen“ Material der Netze eine konstruktive, architektonische Form zur Seite stellt. Beides zusammen erweckt einen poetischen, wenn auch melancholischen Eindruck, eine Verlustanzeige in mehrfacher Hinsicht: einen Abgesang auf den aussterbenden Beruf des Fischers, den es in der einst bedeutenden Hafenstadt Wismar schon nicht mehr gibt, ebenso auch auf die in großen Teilen leergefischten Meere, deren Früchte der Industrialisierung des Fischfangs zum Opfer gefallen sind. Bei einem Teil der Netze handelt es sich zudem um „Geisternetze“, die als Plastikmüll die Meere verseuchen und die nicht nur Tieren zur Gefahr werden, sondern als in winzige Teile zerriebener Kunststoff in die Nahrungskette des Menschen gelangen. Ursula Neugebauers Werk stimmt aber nicht nur eine Messe an für das Entschwindende und Verlorene; vielmehr erinnert es auch daran, dass die Kirche – als Arche – für Bewahrung steht; dass der Kirchengründer Petrus als „Menschenfischer“ galt und der Fisch ein Zeichen Christi darstellt. Ursula Neugebauers „Requiem“ kann also, alles in allem, gesehen werden als Großform von Christian Morgensterns Gedicht „Fisches Nachtgesang“.

Die Ausrichtung, die Orientierung (!) von St. Georgen in Ost-West-Richtung, also die sog. Ostung, wie in unseren Kirchen jahrhundertelang üblich – entsprechend der Erwartung, mit dem Sonnenaufgang verbinde sich auch eine Erleuchtung („ex oriente lux“) und die Auferstehung Christi - , nimmt Timm Ulrichs zum Anlass, im Kirchenraum achsial eine zehnteilige Kaskadenblitzanlage von einhundert Metern Länge aufzubauen. Aufgrund des im Ausstellungstitel ja genannten Breitengrads ergibt sich für genau diesen Ort eine Rotationsgeschwindigkeit der Erde von 984,05 Kilometern pro Stunde; das heißt, eine Lichterkette in diesem Tempo durchläuft diese Strecke in exakt 0,366 Sekunden. Indem dieses (gelb blinkende) Licht aber (im Ein-Sekunden-Takt) entgegen der Erddrehung aufblitzt – von Westen nach Osten – scheint das Licht, vom All aus gesehen, stillzustehen. Auch wenn der Künstler behauptet: „Die Erde dreht sich, mir schwindelt“, bemerken wir normalerweise nicht, dass wir uns mit unserem „Raumschiff Erde“ (nochmals: Christian Morgenstern; Buckminster Fuller) rasend schnell im Weltall bewegen. Die „Aufhebung der Erdrotation“ - so der Titel – mag helfen, dafür ein Gespür zu entwickeln.

Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 10. Dezember 2017 bei freiem Eintritt täglich von 10:00 bis 16:00 Uhr.

 

Quelle: SG Kulturprojekte und Vertragsmanagement